Risiko Online-Shopping: Die dunkle Seite des Online-Booms

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Risiko Online-Shopping: Die dunkle Seite des Online-Booms

Online-Shopping und Online-Handel muss endlich sicherer werden

(socialON) Handelsplattformen im Internet und zunehmend auch die Sozialen Medien bieten Verbrauchern die Auswahl zwischen hunderten von Anbietern für ein bestimmtes Produkt, auf der anderen Seite haben Händler einen schnellen und einfachen Zugang zu Millionen potenzieller Kunden. Allein im vergangenen Jahr sind die Umsätze im Online-Handel (nicht zuletzt wegen der COVID-19-Pandemie und der Lockdowns) noch einmal um mehr als 40
Prozent gestiegen.

„Dieses enorme Potenzial lockt leider auch die schwarzen Schafe an“, kommentiert Volker Bartels, Vorstandsvorsitzender des Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpiraterie, die Entwicklung, „Im OnlineGeschäft lassen sich die Käufer viel einfacher täuschen als zum Beispiel im stationären Einzelhandel, zudem können kriminelle Händler die eigene Identität verbergen und haben so kaum Konsequenzen ihres kriminellen Handelns zu befürchten. Produktfälschungen sind daher besonders im Online-Handel ein seit Jahren wachsendes Problem.“

Diese Einschätzung wird auch von zwei jüngst veröffentlichten Studien des Amts
der Europäischen Union für geistiges Eigentum gestützt: Demnach stammen
mehr als die Hälfte der vom Zoll beschlagnahmten Fälschungen aus dem OnlineHandel. Die Anbieter nutzen systematisch Lücken bei den Handelsplattformen
und anderen Internetdienstleistern aus, legen z. B. mehrere Händler-Accounts
unter verschiedenen Namen an, schalten Werbeanzeigen auf seriösen
Webseiten und nutzen offene sowie geschlossene Gruppen in den sozialen
Medien, um noch mehr potenzielle Käufer zu erreichen.

Der geplante Digital Services Act (DSA) soll nun endlich dieses und andere Probleme auf europäischer Ebene angehen und die Verpflichtungen von OnlinePlattformen und anderen Internet-Dienstleistern neu regeln.

„Einige der momentan diskutierten Vorschläge lassen jedoch leider befürchten, dass es weiterhin eine hohe Missbrauchsgefahr geben wird“, meint Bartels, „Zum Beispiel muss es möglich sein, dass einmal gemeldete und entfernte, gefälschte und mitunter unsichere Produkte nicht immer wieder neu auf den Plattformen auftauchen. Maßnahmen, die dies verhindern, dürfen nicht freiwillig sein, wie es zum Teil vorgeschlagen wird. Es ist ein absurder Ansatz, wenn dieselben Rechtsverletzungen wieder und wieder gesucht und gemeldet werden müssen, anstatt sie nachhaltig zu verhindern.“

Auch bei der Pflicht zur Identitätsüberprüfung von Geschäftspartnern sollte der Entwurf des DSA nachgebessert werden, findet Bartels. Diese soll nach derzeitigem Stand nur für Online-Handelsplattformen im Hinblick auf die dort aktiven Händler die Regel sein. „Warum es bei der Registrierung von Domainnamen oder der Schaltung von Werbeanzeigen keine Überprüfung der Identität von Geschäftskunden geben soll, ist nicht nachvollziehbar.

Die Geschäftsmodelle und -strategien zum Absatz von Fälschungen werden ständig verändert und solche Dienste werden bereits heute massiv für Produktpiraterie und andere Straftaten missbraucht“, meint Bartels, „Ganz allgemein müssen Dienstleister im Internet endlich stärker in die Bekämpfung illegaler Aktivitäten eingebunden werden, die durch sie oft erst ermöglicht werden, und an denen sie mitverdienen. Ansonsten ist zu befürchten, dass auch weiterhin massenhaft Verbraucher getäuscht werden und unwissentlich minderwertige oder gar unsichere Produkte erwerben.“

Quelle: Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie, 09.11.2021
Bild: pixabay