EU-Forschungsprogramm Horizon 2020: 30 Mrd. Euro für Investitionen

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Kommission investiert 30 Mrd. EUR in neue Lösungsansätze für soziale Herausforderungen und in bahnbrechende Innovationen

(socialON) EU-Forschungsprogramm Horizon 2020: 30 Milliarden Euro für Investitionen in bahnbrechende Innovationen 2018-2020. In Deutschland werden über 8.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und knapp 1.500 kleine und mittlere Unternehmen über Horizon 2020 gefördert. Fast 1.250 Forscherinnen und Forscher in Deutschland profitieren von Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen zur Finanzierung von Forschungsstipendien.

Die Europäische Kommission gab heute bekannt, wie sie im Zeitraum 2018-2020 30 Mrd. EUR des EU-Programms zur Förderung von Forschung und Innovation “Horizon 2020”, – darunter ein Betrag von 2,7 Mrd. EUR zur Anschubfinanzierung eines Europäischen Innovationsrats – ausgeben wird.

Horizon 2020, das mit 77 Mrd. EUR ausgestattete EU-Programm zur Förderung von Forschung und Innovation, unterstützt die Spitzenforschung in Europa und hat zu vielbeachteten wissenschaftlichen Fortschritten wie z. B. der Entdeckung von Exoplaneten oder von Gravitationswellen beigetragen. In den kommenden drei Jahren will die Kommission mit ihrer Forschungsförderung mehr Wirkung erzielen, indem sie weniger, aber besonders dringliche Themen wie Migration, Sicherheit, Klimaschutz, saubere Energien und die digitale Wirtschaft unterstützt. Außerdem wird Horizon 2020 stärker auf bahnbrechende, marktschaffende Innovationen ausgerichtet.

Hierzu erklärte Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation: „Ob künstliche Intelligenz, Genetik oder Blockchain-Technologie: Heutzutage bildet die Wissenschaft den Kern der vielversprechendsten bahnbrechenden Innovationen. Europa nimmt bei der Wissenschaft und Technologie eine Spitzenposition ein und wird auch als Motor von Innovationen eine wichtige Rolle spielen. Gemeinsam mit anderen Stellen – wie dem Europäischen Innovationsrat, der heute seine Tätigkeit aufnimmt – unternimmt die Kommission Anstrengungen, um europäischen Innovatoren ein Sprungbrett bereitzustellen, damit sie Weltmarktführer werden können.“

Förderung bahnbrechender, marktschaffender Innovationen
Seit Beginn ihres Mandats arbeitet die Juncker-Kommission intensiv daran, für die große Zahl der innovativen Unternehmer in Europa optimale Entwicklungsbedingungen zu schaffen. Jetzt startet die Kommission die erste Phase des Europäischen Innovationsrats. Von 2018-2020 wird sie 2,7 Mrd. EUR aus Horizon 2020 dafür verwenden, hochriskante Innovationen mit großem Gewinnpotenzial zu fördern, um die Märkte der Zukunft zu schaffen. Zudem sollen bei Horizon 2020 die Preise des Wettbewerbs „Crack the Challenge/Schaffen Sie den Durchbruch“ gezielter für bahnbrechende technologische Lösungen für die dringenden Probleme unserer Bürger eingesetzt werden.

Politische Prioritäten im Mittelpunkt
Das Arbeitsprogramm 2018-2020 enthält weniger Themen, für die jedoch jeweils mehr Mittel bereitgestellt werden; dabei werden folgende politische Prioritäten der Kommission direkt unterstützt:

Eine CO2-arme, klimaresiliente Zukunft: 3,3 Mrd. EUR
Kreislaufwirtschaft: 1 Mrd. EUR
Digitalisierung und Umgestaltung von Industrie und der Dienstleistungen in der EU: 1,7 Mrd. EUR
Sicherheitsunion: 1 Mrd. EUR
Migration: 200 Mio. EUR

2,2 Mrd. EUR sind für Projekte zur sauberen Energie in folgenden vier miteinander verknüpften Bereichen vorgesehen: erneuerbare Energien, energieeffiziente Gebäude, Lösungsansätze für Elektromobilität und Speicherung, einschließlich 200 Mio. EUR zur Unterstützung der Entwicklung und Herstellung von Batterien der nächsten Generation in Europa.

Förderung der „Blue-Sky“-Forschung
Gleichzeitig wird im Rahmen von Horizon 2020 weiterhin die „auf Neugier beruhende Forschung“ (oft auch als „Blue-sky-Forschung/Forschung ins Blaue hinein“ oder Pionierforschung bezeichnet) gefördert. Mit dem im August angenommenen Arbeitsprogramm des Europäischen Forschungsrats für das Jahr 2018 können Spitzenforscher mit knapp 1,86 Mrd. EUR gefördert werden. Mit den Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen zur Finanzierung von Forschungsstipendien werden in einem Zeitraum von drei Jahren Wissenschaftler auf allen Laufbahnstufen mit insgesamt 2,9 Mrd. EUR unterstützt.

Förderung der internationalen Zusammenarbeit
Mit dem neuen Arbeitsprogramm soll auch die internationale Zusammenarbeit bei Forschung und Innovation gefördert werden. Hierfür sollen in Bereichen von gemeinsamem Interesse für 30 Leitinitiativen insgesamt mehr als 1 Mrd. EUR bereitgestellt werden. Zu nennen sind u. a. die Zusammenarbeit mit Kanada in der personalisierten Medizin sowie mit den USA, Japan, Südkorea, Singapur und Australien bei der Automatisierung des Straßenverkehrs, mit Indien zu Fragen im Wasserbereich und mit afrikanischen Ländern zur Ernährungssicherheit und zu erneuerbaren Energien.

Verbreitung von Exzellenz
Von 2018-2020 wird im Rahmen von Horizon 2020 ein Betrag von 460 Mio. EUR bereitgestellt, mit dem gezielt Mitgliedstaaten und assoziierte Länder unterstützt werden sollen, die noch nicht mit ihrem vollen Potenzial an dem Programm teilnehmen. Ziel ist dabei, noch nicht genutzte Exzellenznischen innerhalb und außerhalb Europas zu erschließen. Außerdem fördert das Programm weiterhin Synergien mit den Europäischen Struktur- und Investitionsfonds.

Weitere Vereinfachung der Teilnahmebedingungen
Eine weitere Neuerung ist die Einführung der Pilotinitiative für Pauschalbeträge, ein neuer, einfacherer Ansatz zur Bereitstellung von Fördermitteln für die Teilnehmer. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt der Vorabkontrollen von der Finanzprüfung auf den wissenschaftlich-technischen Inhalt der Projekte.

Offene Wissenschaft
Einen grundlegenden Einschnitt bedeutet das Programm im Hinblick auf die Förderung der offenen Wissenschaft, indem die Forschungsergebnisse nicht mehr nur in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht, sondern die Erkenntnisse auf einer früheren Stufe des Forschungsprozesses zugänglich gemacht werden. Für die Förderung der offenen Wissenschaft werden zwei Mrd. EUR bereitgestellt; 600 Mio. EUR werden in die Europäische Cloud für offene Wissenschaft, die europäische Dateninfrastruktur und die Entwicklung von Hochleistungs-Rechensystemen fließen.

Hintergrund
Das Programm Horizon 2020 ist mit einer Mittelausstattung von 77 Mrd. EUR für sieben Jahre (2014-2020) das bisher größte Rahmenprogramm der EU für Forschung und Innovation. Obwohl die meisten Forschungs- und Innovationsmaßnahmen noch in Gang oder noch nicht angelaufen sind, kann das Programm bereits konkrete Ergebnisse vorweisen.

Forscher im Rahmen von Horizon 2020 haben zu wichtigen Entdeckungen wie z. B. Exoplaneten, das Higgs-Boson und Gravitationswellen beigetragen, und mindestens 19 Nobelpreisträger haben vor oder nach der Preisverleihung Forschungsmittel der EU erhalten.

Bis Oktober 2017 wurden mit Horizon 2020 mehr als 15 000 Finanzhilfen in Höhe von insgesamt 26,65 Mrd. EUR finanziert; 3,79 Mrd. EUR davon kamen KMU zugute. Mit dem Programm haben außerdem Unternehmen, vor allem KMU, über die Initiative „EU-Mittel für Innovationen“ (InnovFin) Zugang zu Risikokapital im Umfang von über 17 Mio. EUR erhalten. Darüber hinaus haben im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen 3 143 ERC-Hauptforscher in aufnehmenden Einrichtungen rund 4,87 Mrd. EUR und 10 176 Stipendiaten rund 2,89 Mrd. EUR an Finanzhilfen erhalten.

Parallel zur Annahme des Arbeitsprogramms 2018-2020 für Horizon 2020 wurde das Euratom-Arbeitsprogramm 2018 beschlossen, mit dem 32 Mio. EUR in die Forschung zur Entsorgung und Endlagerung radioaktiver Abfälle investiert werden sollen. Außerdem soll ein Forschungsplan zur sicheren, umweltschonenderen und kostengünstigeren Stilllegung von Kernkraftwerken erarbeitet werden.

Weitere Informationen
Website zu Horizon 2020 und Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen

Quelle: Pressemitteilung Europäische Kommission vom 27. Oktober 2017.
Bildquelle: Europäische Kommission.